Buchkunst-Werkstatt

Fast jeden Tag im Einsatz: An der Schneidemaschine schneidet Silvia Kreye die Papierbögen zurecht, die bis zu 70mal 100 Zentimeter groß sind. Die Papiere stammen hauptsächlich aus Italien, Nepal und Japan.
ELZE Die gute alte Handwerkskunst – es gibt sie noch, auch in Elze: Die „Buchkunst-Werkstatt“ ist an der Straße Unter der Spielburg 1 zu finden. Dabei handelt es sich um einen reinen Familienbetrieb, der die Buchbinderei ausübt wie schon vor hunderten von Jahren – als letzten Arbeitsgang der Buchherstellung nach Abschluss der Druckarbeiten.

Doch im Hause der Familie Kreye werden nicht nur buchbinderische Unikate und Kleinstauflagen in Handarbeit produziert, sondern auch individuelle Bücher, beispielsweise für Rezepte, Erinnerungen oder Gedichte. Darüber hinaus fertigt die Familie je nach Wunsch der Kunden auch Notiz- und verschließbare Tagebücher, Fotoalben, Geld- und Gutscheinbüchlein, Gästebücher und vieles mehr an. Alle Produkte sind unverwechselbar, denn sie sind mit der Prägung „Buchkunst-Werkstatt Kreye“ versehen. Den Familienbetrieb gibt es noch nicht allzu lange, erst seit April 2011. Erwin Kreye und seine Frau Silvia haben sich umorientiert, nachdem sie jahrzehntelang einer anderen Arbeit nachgegangen waren: Er war Fahrschulleiter bei der Bundeswehr, sie war als Betriebswirtin in verschiedenen Firmen in Hannover und auch beim Verband der Reservisten beschäftigt, ehe sie ihre neue Passion entdeckte. Das geschah, als sie nebenbei in einer Buchbinderei in der Landeshauptstadt gearbeitet hat. Bei der Buchbindermeisterin Ursula Müller hat sie das Handwerk des Buchbindens von der Pike auf gelernt – im Alter von 57 Jahren. „Da ist Millimeterarbeit gefordert, und da ich zu Perfektionismus neige, ist das genau das Richtige für mich“, berichtet die Elzerin von ihrer neuen Leidenschaft.
„Bei der Ausstellung auf Kunsthandwerkermärkten haben wir festgestellt, dass unsere Ware mehr als ein Nischenprodukt ist“, freut sich Silvia Kreye über den Boom, den die Familie im Laufe der Jahre mit den verschiedensten Papierprodukten erfahren hat. Nach anfänglich zehn Ausstellungen im Jahr sind es mittlerweile mehr als 25 geworden. Von Kassel (Frühjahrsausstellung Ende Februar) bis Laboe sowie von Fürstenberg bis nach Bad Harzburg und sogar bis nach Luxemburg reichen die Orte, wo Kreyes ihre Produkte präsentieren. Auch Schlösser wie in Wolfenbüttel und Klostergüter wie in Wöltingerode gehören zu den Standorten.

Klar, dass eine Person das nicht mehr allein stemmen kann und so sind nach einem Jahr Ehemann Erwin und Tochter Pamela in die Fertigung und die Präsentation mit eingebunden worden. Teilweise gibt es an den Wochenenden schon „Parallel-Auftritte“ bei verschiedenen Ausstellungen, wie Kreye schmunzelnd verrät.
„Ich liebe das Handwerkliche“, sagt Silvia Kreye auf die Frage nach dem Spaß an der Arbeit. „Wenn man das für die Einbände vorgesehene Papier fühlt, spürt man die Unterschiede, wie etwa zwischen dem italienischen Papier aus Florenz mit den Namen ‘The Italian Beauty’ oder ‘Rossi 1931’ aus Borgo San Lorenzo sowie dem handgeschöpften Papier aus Nepal“, schwärmt die Elzerin. Noch hochwertiger sei das Japan-Papier, für das man etwa 21 Euro für einen 70 x 100 Zentimeter großen Bogen bezahlen müsse. Gekauft wird das Arbeitsmaterial, das in „Sheets“ bestellt wird, etwa bei der Frankfurter Papiermesse, wo alle namhaften Lieferanten der Welt versammelt sind.
„Wir legen großen Wert auf Nachhaltigkeit und sehen zu, dass man den Einband mehrfach verwenden kann, wenn man zum Beispiel einen Schreibblock einlegt“, erklärt Silvia Kreye, als sie gerade an einer Neuheit arbeitet – einem exklusiven Korkbuch. Das Prinzip der Nachhaltigkeit gilt auch für die beliebten Klemm-Mappen, die zu allen Themen und Gelegenheiten passen. Wie läuft das Buchbinden ab? „Ich schneide Pappe auf Maß zurecht für die Buchdeckel und den Rücken, der mit strapazierfähigen Buchbinderleinen verziert wird. Danach wird das Papier zurechtgeschnitten und auf den Deckel geleimt. Damit auch alles hält, kommt es zwölf Stunden in die Presse, ehe die Endverarbeitung vorgenommen wird“. erklärt Silvia Kreye. Wer mehr sehen will…